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Una primadonna della strada


Ich muß reumütig gestehen, daß ich als seinerzeit eingefleischter Harleyfahrer "fremdgefahren" bin. Seit längerer Zeit versuchte ich, eine Probefahrt mit der Ducati Monster zu ergattern.

Ducati Monster 900 S

Ich mußte mit terminlichen und witterungsmäßigen Widrigkeiten fertig werden und verpassten Gelegenheiten nachtrauern. Wie im richtigen Leben! Aber nun konnte es endlich losgehen. Mit klopfendem Herzen drückte ich auf den Anlasserknopf...

Sofort ertönt nach den ersten Umdrehungen des Starters das so vertraute aber mir seinerzeit noch fremdartige Blubbern aus zwei um 90 Grad versetzten Zylindern. Was da in der Motorengegend so nervig klappert und scheppert, ist die Kupplung. Für Puristen und Technikfreaks unter den Ducatisti ein Ohrenschmaus, aber vielleicht helfen da später mal lautere Auspuffe! Das ist zwar nicht ganz legal, aber je nachdem, was man am liebsten hören möchte, kann doch dadurch ein wenig mehr forciert werden.

Das sportliche Cockpit mit üppiger Intrumentierung durch Tacho und Drehzahlmesser vermittelt mit gut ersichtlichen Kontrolleuchten für Fernlicht, Blinker, Öldruck, Leerlauf u.s.w. dem Fahrer die erforderlichen Informationen. Ausgestattet mit einer "Injectione Elettronica" gibt es keinen Bezinhahn mehr, den es vielleicht aufzudrehen oder auf Reseve zu stellen gilt. Auch das Gefummel mit dem Choke während der Warmlaufphase entfällt. Ich kann mich also voll und ganz aufs Fahren konzentrieren. Auf gehts!

Sport an allen Ecken und Kanten

Sport an allen Ecken und Kanten: Kurz und knapp wird geschaltet. Der Motor reagiert sofort auf Gaskommandos. Unter 3.000 U/min ruckelt die Duc etwas und teilte mir mit, daß sie es doch ganz gerne etwas zügiger möchte. Also bitte: etwas mutiger darfs schon sein! Bei 4.000 U/min haben sich die Massen im Motor aufeinander abgestimmt und nun schnurrt sie wie ein Kätzchen. Ab 5.000 U/min ging es mit einen Dröhnen aus dem Ansaug- und Auspufftrakt in atemberaubendem Tempo vorwärts: Whhooaah!!! Schalten nicht vergessen: Dritter Gang, vierter Gang - nicht bange machen lassen - fünfter Gang - los, sechster Gang! Na, suuuper! So schiebt sie dem Fahrer ganz lässig mal so richtig Tempo unter den Hintern! Die maximale Drehzahl liegt bei ca. 8.500 U/min. Es läßt sich schon erahnen, was da also noch an Speed drinsteckt.

Ein leichter Zug am Bremshebel und ein leichter Tipp auf die Fußbremse dämpfen den Vorwärtsdrang und schonen den Führerschein, die Brembo-Bremsen sind wirklich eine Klasse für sich, enorm wirksam und anfangs nicht zu bissig.

Durch die sehr neutrale und entspannte Sitzposition habe ich nie den Eindruck, bei langsamerem Tempo schlecht oder unbequem unterwegs zu sein. Dennoch ist die Duc für die zügige Fahrweise auf gut asphaltierten Straßen gebaut. Dann wird das Fahrwerk so gnadenlos stabil, wie man es eben von Italienern gewohnt ist. Lediglich unebene Straßen werden dem Piloten durch üble Tritte der Federung in den Hintern weitergeleitet. Völlig klar: Von topfebenen Rennstrecken direkt auf die Straße. Sie ist eben keine Enduro oder eine Tourensänfte. Zu prompten Richtungsänderungen muss Gas weggenommen werden, um die schon bald stoische Richtungsstabilität unterbrechen zu können. Darüberhinaus ermöglicht auch die straffe Fahrwerksabstimmung bei dem recht kurzen Radstand und kurzem Nachlauf ein zielgenaues Fahren. Da schlingert nichts, da bleibt alles stabil in Richtung und doch ist die Duc so leicht handzuhaben. Sehr beruhigend!

Ducati fahren hat schon etwas mit Lust zu tun. Nicht immer alles so alltagstauglich, aber doch so herrlich emotional und unvernünftig. Arrangieren muss man schon mit ihr, sonst bleibts wirklich nur bei der Probefahrt. Mit nichts zu vergleichen ist aber das Gefühl, was einem beschleicht, wenn man vor dem Motorrad als Betrachter steht. Kaum eine andere Maschine hat mich durch die Gestaltung derart angemacht, wie diese Monster. Hier kann man auf einem Blick alle wesentlichen Fahrzeugelemente und deren Funktion unmißverständlich erkennen. Die kompromißlose Darstellung der wesentlichen Komponenten und deren Funktion finde ich wirklich atemberaubend. "Form follows function!" Motor, Räder, Tank, Sitzbank, Gabel und vor allem der Gitterrohrrahmen stellen sich so dar, wie sie zu funktionieren haben, da wird nichts beschönigt, es ist alles so, wie es ist. Nüchtern, sachlich, klar und unverkleidet. Hervorragend! So etwas könnte ich mir als Skulptur ins Wohnzimmer stellen.

Der Seitensprung blieb natürlich nicht ohne Folgen

Die Probefahrt hat mich überredet. Der Seitensprung blieb natürlich nicht ohne Folgen: Nun zähle ich mich ebenfalls zu den begeisterten Monster-Fahrern. Zwar erst mit 600 ccm, aber wie schon gesagt, für den Führerschein reichts auf alle Fälle! Und ich sage Euch, sie wird gerne und viel gefahren und auch das Herzklopfen vor dem Start ist mir geblieben. Manchmal träume ich schon von der Rennstrecke...

... da bin ich aber neugierig!



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