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Viva Italia


Ich bin gerade wieder aus Bologna zurück. Alles war neu, alle meine Vorstellungen über Italien waren Klischees. Italien? Elegant, edel und total modern oder vielleicht auch staubig, schlampig und immer ein wenig abgegriffen? Beides passt.

Italiensiche Küche mit Pizza undenkbar? Doch, Pizza ist ein Arme-Leute-Gericht und Pizza suchte ich in der Speisekarte vergebens! Statt dessen gab's Mozarella garniert mit Tomaten als Vorspeise, im Hauptgang Spaghetti mit einer Soße mit Muscheln (reichlich Knoblauch inklusive), abschließend Tartufo und immer wieder gern genommen; einen guten Rotwein aus der Karaffe sowie einige Portionen Sambuca. Gut, ich habe angesichts der anstehenden Werksführung bei DUCATI kurz treten müssen. Mit dem Taxi unterwegs in Bologna ist wie ein Rennen: Mit 100 Sachen durch die holperige Altstadt, dicht an parkenden Autos und Fußgängern vorbei. Zwar ist nie etwas passiert, aber alles ist so ungewöhnlich dynamisch. Wer die blassesten deutschen Fahrgäste abliefert, hat als Taxifahrer für einen Abend gewonnen! Viva Michele...

Das Werk, der Geburtsort der DUCATIs, erwartete unsere Reisegruppe im Werksmuseum. Die Präsentation von DUCATI verschlug mir den Atem: Mit solch einer Renntradition, beginnend schon in den frühen 50er Jahren, habe ich nicht gerechnet. Aber spätestens mit der 750 ccm Königswellen 2 Zylinder weiß ja inwzischen jeder, wo der Hammer hängt. Hier also ein kurzer Einblick in das "Museo Ducati":

Hiermit gewann Paul Smart 1972 die 200 Meilen von Imola. Mit der Königswellen V2 gelang DUCATI der internationale Durchbruch!
Auch das ist seit der Desmoseidici und der 999 schon Renngeschichte. Nochmal einen Einblick in den Rennstall von DUCATI: Im Vordergrund die gelbe 748, mit der Paolo 'Gasolio' Casoli 1997 Supersport-Weltmeister wurde.
Der Apollo V4, gedacht für die amerikanische Polizei, ging nie in Serie! Auch das war DUCATI!

Im Werk selber durfte niemand fotografieren. Die einzelnen Fertigungsschritte wurden uns prima und einleuchtend vermittelt. In 4 Produktionslinien gehen da die Traumbikes aus Bologna vom Band: Zum einen die Monster, die Tourensportler und die Supermonster, dann die Racingbikes und dann wäre dann ja auch noch die Multistrada. Zwischenzeitlich wurde das Fließband zu einer kurzen Pause angehalten; der Pfarrer kam, um das Werk und die Belegschaft zu segnen. Auch die hermetisch abgeriegelte Rennabteilung wurde zur Segnung vom Pfarrer besucht. Man stelle sich das unter kaufmännischen Gesichtspunkten mal in Deutschland vor...

Anschließend ging es in die historische Innenstadt von Bologna mit ihrem turbolenten Leben. Das Leben läuft entspannter ab als bei uns in Deutschland, aber auch irgendwie unüberschaubarer. Hier also noch einige weitere Impressionen:

Der Treffpunkt oder einfach ein Ort nur zum Relaxen und Sonnenbaden in der Mittagspause: Der Brunnen in der Altstadt Auf dem Marktplatz von Bologna. An allen Häusern vermischen sich je nach damaligem An- und Umbau viele historische Baustile!

Zurück mit dem Flugzeug. Der Rückflug war ruhiger und beschaulicher als mein Jungfernflug am Sonntag. Ein Flugzeug schaukelt in der Luft wie ein Schiff in den Wogen eines Meeres. Ab 2000 Metern ein klarer blauer Himmel mit einer Fernsicht, die die Alpen wie Topfkuchen mit Puderzucker erscheinen ließ. Der Druckausgleich war erst ein wenig mühselig, aber bei 10.000 Metern hat sich fast jeder daran gewöhnt. Das Tollste am Fliegen ist das Starten. Diese Macht der Beschleunigung! Mir als ahnungslosen Erstflieger blieb fast die Luft und der Blutdruck weg. Bei 10.000 Metern bekam ich Hunger. In dieser Höhe ist das Essen billiger als im Flugafen auf der Erde.

Ich bin gerne wieder zurück in Deutschland. Hier ist alles so sauber und akkurat. Die Wiesen sind auch ein wenig grüner und die Städte haben in Deutschland mehr Grünflächen. Die Bürgersteige sind gerad und geräumig. Alles läuft hier vorhersehbar und planbar, fast wie bei einer Maschine. Wer sich in Italien wohlfühlen will, muss das Leben, muss die Menschen und das Durcheinander und die Improvisation lieben. Ich werde mich ändern müssen...

Ciao!



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