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Motorradtermine in Ostwestfalen

Moped-Steilwandtreffen der Zündapp-Freunde


Gellender hochtouriger Zweitaktsound und ölgeschwängerte Abgase durchziehen die Luft der Bielefelder Radrennbahn. Heute wird nicht um die Wette gestrampelt, heute haben heiße Mopedmotoren mit 50 oder maximal 80 Kubick das Sagen. Ein Schnapsglas voller Rennseligkeit. Wir, mittlerweile in die Jahre gekommen, runder und grau geworden, stehen nun als Zuschauer da und kriegen den Mund wie seinerzeit zu Weihnachten vor ungläubigem Staunen nicht mehr zu. Aber heute ist nicht Weihnachten, heute ist Hochsommer und es ist Steilwandfahren auf der Bielefelder Radrennbahn unserer damaligen zweirädrigen Jugendträume angesagt: "Eeeeehnnn. Öööööhnnn. (... zurückschalt ...) Äääääähnnnn!" Aber nun immer der Reihe nach.

Eeeeehnnn. Öööööhnnn. (... zurückschalt ...) Äääääähnnnn!

Die Zündapp-Freunde richten nun schon zum wiederholten Mal das Moped-Steilwandtreffen auf der Radrennbahn in Bielefeld aus. Eingeladen war alles, was seinerzeit in den 60er bis 80er Jahren mit einem Hubraum von 50 bis 80 ccm die Straßen unsicher machen durfte. Rechtzeitige Voranmeldung sicherte die begehrten Startplätze. Und ob nun aus Bielefeld, Herford, oder auch aus weiter entfernten Regionen, viele Mopedisten haben sich nicht lumpen lassen und für ein volles Fahrerlager sowie Starterfeld gesorgt!

Das Fahrerlager. Einer fährt sich schon mal warm!

Und was die Teilnehmer da mitgebracht hatten, konnte sich sehen lassen! Schon fast vergessene Kreidlers, Hercules, Zündapps, aber auch seinerzeitige Exoten wie Puch, KTM, Honda oder Suzuki waren dabei. Aber tonangebend im wahrsten Sinne des Wortes waren natürlich unsere heimischen Fahrzeuge.

Hier atmet ganz klar der Geist von Hans-Georg Anscheidt, dem damaligen Weltmeister auf 50 ccm! Kreidler Cross! Damals sorgte sie unter uns für leichte Verwirrung, wir wollten damals etwas Schnittigeres!
Hercules K 50 LC, also mit Schwingengabel und - man staune - mit Wasserkühlung! Nochmal eine Hercules, dieses Mal eine Ultra 50! Für viele von uns ein unerschwinglicher Traum. Vielleicht auch noch heute?

In zwei Abschnitten wurde das Steilwandfahren durchgeführt. Vormittags von 10 bis 12 Uhr und nachmittags ab 15 Uhr. Vorher noch, wie auf einer richtigen Rennstrecke auch, eine Fahrerbesprechung und durch den TÜV eine Fahrzeugabnahme. Wie sieht's mit Bremsen, Kettenspiel, Reifenqualität, Lenkkopf- und Schwingenlagerspiel aus? Den Reifenluftdruck um 0,3 bis 0,5 bar erhöht? Alles klar! Ok, dann konnte es losgehen.

Den Motor an, den Gang rein, kurzes Durchatmen, ordentlich Drehzahl und die Kupplung kommen lassen und schon ging es rauf ins Rennoval.

Eine Zündapp KS 50 gibt sich lautstark die Ehre

Entweder in voller Ledermontur mit allen Protektoren gekleidet oder dem Wetter entsprechend in Jeans, T-Shirt und Turnschuhen, erlaubt war, was gefällt. So war es damals auch!

Easy Rider mit allem Zipp und Zapp!

Erst einmal im Rennoval, konnte jeder nach seiner Fasson entweder cruisen oder es richtig glühen lassen. Rücksichtnahme und kein unnötiger Spurwechsel waren von nun an oberstes Gebot. Die Mutigsten schafften es bis an den oberen Rennstreckenrand. Windschatten wurden ausgenutzt, den Schwung mitgenommen, den richtigen Moment zum Überholen abgewartet; einige Teilnehmer schenkten sich so gegenseitig ordentlich ein. Flachliegend auf dem Tank, den Kopf runter, gings mit Eifer voran. Ja, so waren unsere damaligen Zeiten! Von wegen Computerrennen oder LAN-Parties. Nix, das Gas immer bis zum Anschlag!

Herz, was willst Du mehr? Freie Bahn und den Zweitakter singen lassen! Hat sich stets wacker geschlagen: Eine - dank des damaligen kreidlerschen Baukastensystems - heißgemachte Kreidler Flory!

Und wir hatten alle mit dem Wetter ein Glück! Wolkenloser Himmel mit Sonnenschein bis in den Nachmittag hinein, also optimale Grundlage für Erinnerungen an damals. Mit 50 "Kubick" und großem Nummernschild wurden die Moppeds laut den Werbestrategen in den 70er Jahren schon als richtige Motorräder bezeichnet! Mit den entsprechenden Wahnsinns-Versicherungstarifen. 800 Märker im Jahr, das war für viele von uns, wir waren ja noch Lehrlinge, einfach zuviel Geld. Somit mussten wir uns mit einem Mokkick und 40 km/h begnügen. Das sah immerhin fast genauso toll aus wie ein Kleinkraftrad und aus den 40 km/h wurden auf wundersame Weise auch immer mehr. Auch heute auf der Radrennbahn machte es erst ab 60 bis 70 km/h vielen Teilnehmern so richtig Spaß und dazu mal wieder so richtig wild und frei sein wie damals. Na, immerhin, fast. Wir sind ja älter und reifer geworden.

Gern denke ich da an meine mausgraue gebläsegekühlte 3-Gang Florett mit ihrem näselnden Zweitaktschnasseln zurück, auch wenn sie schon seit etlichen Jahren wohl auf dem Schrottplatz ihre Ruhe gefunden hat ...



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